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Stundenprotokoll vom 15.09.2009

Ein weiterer Tag neigt sich dem Ende zu und auch, wenn wohl die meisten der noch anwesenden Schüler mit ihren Gedanken schon bei der Mathematikklausur am nächsten Tag sind, heißt es, sich noch einmal auf die letzten zwei Stunden zu konzentrieren. Auch heute stehen wieder zwei Punkte an, die es abzuarbeiten gilt, doch bevor damit begonnen wird, gibt Frau Mettge eine Änderung im Verlauf der kommenden Doppelstunde in einer Woche bekannt.
War ursprünglich vorgesehen, dass nächsten Dienstag die erste eigene Debatte gehalten werden sollte, so wird diese Sitzung nun in die Aula verschoben, da dort ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums und jetziger Student in Cambridge (England) einen mündlichen Vortrag über seinen Auslandsbesuch in Nepal halten wird. Dass sich dies natürlich um ein passendes Beispiel zum Thema „Wie halte ich eine Rede?“ handelt und es für die eigenen zukünftigen Reden sicher von Bedeutung sein kann, sich einmal eine „richtige“ Rede anzuhören, ist allen klar.

Der Debattenstart wird damit also um eine Woche nach hinten verschoben und die beteiligten Schüler haben so, zur Freude der meisten, sieben Tage mehr, um sich Gedanken zu machen und eine entsprechende Rede zu verfassen.

Nachdem dies geklärt und mit einem „Okay“ der Schüler abgesegnet worden ist, widmet man sich den Themen der aktuellen Doppelstunde:

 

● Ablauf der „Offenen Parlamentarischen Debatte“

● „Der perfekte Antrag“

 

Letzte Woche ist es den Schülern, die die „Offene Parlamentarische Debatte“ erarbeitet haben, zum Auftrag gemacht worden, Organisation und Regeln ihrer Debatierform für alle verständlich darzustellen und zu erläutern, damit jedem der Ablauf klar ist und die Debatte nicht durch unnötige Fragen wie „Wer darf jetzt reden?“ gestört wird. Wer allerdings auf einen Vortrag wartet, wird enttäuscht. Es wird ein Übersichtsblatt verteilt, auf dem mit Text und Schaubildern die Debatte erläutert wird.

Der Text wird im Anschluss laut vorgelesen und Fragen, die aufkommen, werden im Klassenverband geklärt.

Folgender Ablauf in Kurzform ergibt sich:

 

Der Präsident eröffnet die Debatte, nennt das Thema und fordert zunächst zur geheimen Abstimmung des Publikums und der fraktionsfreien Redner auf, bevor er den einzelnen Rednern das Wort erteilt.

Letztere halten in folgender Reihenfolge ihre Ansprachen:

 

● Regierungs-Eröffner

● Oppositions-Eröffner

● Regierungs-Ergänzer

● Oppositions-Ergänzer

● 1ter fraktionsfreier Redner

● 2ter fraktionsfreier Redner

● 3ter fraktionsfreier Redner

● Oppositions-Schlussredner

● Regierungsschlussredner

 

Die Redner aus Regierung und Opposition erhalten jeweils 7 Minuten Redezeit, die fraktionsfreien Redner 3,5. Auf die Reden letzterer darf die jeweils gegnerische Seite mit einer einminütigen Rede zusätzlich antworten. Während diese Zwischenreden vor Zwischenfragen geschützt sind, dürfen letztere bei allen anderen Vorträgen innerhalb einer bestimmten Zeitspanne gestellt werden. Bei den Fraktionsrednern schließt diese Zeitspanne die 2. bis einschließlich 6. Minute der Redezeit ein, bei den fraktionsfreien Rednern sind sie nur von der 2. bis zur letzten halben Minute erlaubt.

Neben den Zwischenfragen gibt es auch die Möglichkeit der Zwischenrufe, um den aktuell Redenden aus dem Konzept zu bringen. Zwischenrufe dürfen aus maximal sieben Wörtern bestehen und können sich von dem Redner für die Dauer einer Minute verbittet werden.

Wenn der Regierungs-Schlussredner geendet hat, ruft der Präsident zur offenen Abstimmung auf, bei der jeder, der zuvor geheim abgestimmt hat, erneut eine Stimme erhält.

Diese Kurzform enthält natürlich nicht jedes kleine Detail der „Offenen Parlamentarischen Debatte“ – wer allerdings wissen möchte, wann der Präsident mit dem Hammer schlägt oder wer Zwischenreden halten darf und wer nicht, der findet unter

http://opd.streitkultur.net/material/Kurzregeln_OPD_V702.pdf

den Übersichtsbogen, der auch den Schülern ausgehändigt worden ist und kann sich dort noch genauer erkundigen.

 

Nachdem nun wieder bereits 45 Minuten Unterricht wie im Flug vergangen sind, widmet man sich dem zweiten Punkt der Tagesordnung. Ein weiteres Blatt mit dem Titel „Der perfekte Antrag“ macht die Runde, auf dem sich eine, wie sich herausstellt, nicht ganz ernst gemeinte Rede befindet, die ein Herr Michael Hoppmann verfasst hat. Es handelt sich um den Heiratsantrag an eine gewisse Luna.

Ein kleiner Auszug:

 „[…]Aber lassen sie mich im Antrag fortfahren. Ferner soll bis spätestens zum 1.4. eine Expertenkommission einen geeigneten Ehevertrag ausarbeiten, der dann beiden Seiten 14 Tage lang zur Einsicht vorgelegt wird, damit ggf. Änderungen im Detail noch vor der Ratifikation am 1.5. vorgenommen werden können.
Einem geeigneten Eventunternehmen wird gleichzeitig die Organisation der Veranstaltung übertragen, damit die Gastgeber sich sowohl vor Ort, als auch im Vorfeld ganz ihrer sozialen Pflichten widmen können.

Nun, warum dies alles?

    [Zwischenfrage!]

Ja.

    [Warum gerade an diesem Termin, warum am 1.5.?]

Junge Dame, erstens handelt es sich am 1.5. mit einem Freitag um einen geeigneten Wochentag, um einerseits einen Standesbeamten bestellen und andererseits eine abendliche Feier ausrichten zu können und zweitens ist der Mai, der ja zudem als sogenannter "Wonnenmonat" ein geeignetes Hochzeitssetting abgibt, in optimaler Entfernung, um alle notwendigen Vorkehrungen noch treffen zu können, aber gleichzeitig dem momentanen Missstand baldigstmöglich Abhilfe zu schaffen. Zudem würde eine Vorverlegung um einen Monat unter Umständen einen humoristische Ausrichtung diese Antrages konnotieren, die wir ja unter allen Umständen vermeiden wollen.

Warum also dies alles?[…]“

Dieser ganze Text dient nicht nur als Beispiel für eine Rede – auch wenn diese kaum für ernst befunden werden kann -, sondern ist hilfreich gewesen, um herauszufinden, wie Zwischenfragen am besten gestellt werden sollen. Beim wechselseitigen Lesen ist der Schüler, der für die Zwischenfragen zuständig war, jedes Mal aufgestanden, hat auf den, den Antrag lesenden, Schüler gezeigt und „Zwischenfrage!“ gerufen. Auch, wenn das Ganze mehr witzig gewirkt hat, so hat man doch immerhin eine einheitliche Regelung zur Frage „Wie stelle ich am besten Zwischenfragen?“ finden können.

Nun sind noch 30 Minuten der Unterrichtszeit abzusitzen und viele wollen lieber noch für die Klausur lernen, also entschließt sich die Schülerin Jane, nachdem die Frage „Können wir nicht schon früher gehen?“ aufgekommen ist, spontan, eine kurze Rede zu halten, in der sie für die frühzeitige Beendigung des Unterrichts plädiert. Als sie damit argumentiert, ihr „Abendessen [werde] nicht wärmer je länger [sie] es stehen“ ließe, lässt sich letztendlich auch Frau Mettge durch Janes Wortgewandtheit überzeugen und entlässt die Schüler 20 Minuten vor Unterrichtsende – jedoch nicht ohne Pünktlichkeit zu dem Vortrag in der nächsten Woche zu fordern.

„Das ist doch selbstverständlich!“

 

 *** Anmerkungen

Ja, heute war es mal wieder lustig.

Auch wenn ich es nicht ganz so toll fand, dass uns zur „Offenen Parlamentarischen Debatte“ nur ein Zettel gegeben wurde, obwohl ich dachte, die Gruppe würde das alles vorher noch mal erklären – und dass die vier teilweise selber manches nicht erklären konnten, obwohl sie genug Zeit hatten, sich mit dem Zettel auseinanderzusetzen. Naja, aber so schwer ist der Ablauf ja eigentlich gar nicht – ich frag mich nur immer noch, wie ich eine siebenminütige Rede schreiben soll. Das ist doch so viel. :D

Aber Janes „Rede“ war toll. Wie man auf so was kommt: „Um noch mal auf das Argument mit meinem Abendessen einzugehen. Mein Abendessen wird nicht wärmer, je länger ich es stehen lasse.“ Typisch Jane – ich fand es super. Und wer freut sich nicht, früher nach Hause zu dürfen, vor allem, wenn man schon etliche Stunden hinter sich hat und eigentlich krank ist – so wie ich?

Naja, jetzt bin ich mal gespannt auf Jans Vortrag am Dienstag. Hab ihn schon ewig nicht mehr gesehen. Ich werde ihm die Daumen drücken. (:

15.9.09 22:07
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mt (21.9.09 23:27)

Du bist ja schon recht fleißig gewesen - und interessant/ unterhaltsam zu lesen sind die Protokolle ebenfalls.

Weiter so!

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