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Stundenprotokoll vom 08.12.2009

Für heute ist im Seminarfach die letzte Debatte für dieses Halbjahr angedacht, welche zu dem Thema „Schulfach Benehmen“ abgehalten werden soll.

(An dieser Stelle ein kurzer Überblick über die Teilnehmer der Debatte:

·    Regierung: Roman, Simon

·    Opposition: Laura, Sandra

·    Präsidium: Anna, Josefin, Jane

Regeln und Ablauf der Debatte wurden bereits in einem der vorangegangenen Protokolle festgehalten.)

 

Die Präsidentin Anna begrüßt zunächst alle Anwesenden und gibt eine kurze Einleitung in das zu diskutierende Thema, bevor sie dann auch bereits das Wort an den ersten Redner der Regierung, Roman, übergibt.

Nachdem dieser sich von einem kurzen Lachanfall erholt und seine Ernsthaftigkeit wiedergefunden hat, spricht er auch sogleich die Zuhörer an, indem er auffordert, die Zustände an deutschen Schulen zu betrachten und „nicht die Augen zu schließen vor der Notwendigkeit“, das Schulfach „Benehmen“ einzuführen. Anschließend erläutert der Redner, was man sich unter einem solchen Fach vorzustellen hätte. Es ginge darum, richtiges Verhalten nicht nur gegenüber Autoritäten, sondern auch gegenüber dem eigenen Umfeld zu vermitteln und den Schülern eine Antwort auf die Frage „Wie habe ich mich zu benehmen?“ zu geben. Zwar würden bestimmt Verhaltensregeln schon zu einem gewissen Maße im normalen Unterricht vermittelt, jedoch reiche dies bei weitem nicht aus, um „beleidigenden Kindern“ in der Schule den, so scheint es, verloren gegangenen Respekt wieder beizubringen. Demnach sei es also notwendig und unabdingbar, Schüler schon möglichst früh einmal wöchentlich für eine Stunde in Kontakt mit Benimmregeln zu bringen.

Zwar scheint Roman an dieser Stelle noch nicht fertig mit seinen Ausführungen zu sein, allerdings ist seine Redezeit von vier Minuten um, und so erteilt die Präsidentin trotz heftigster Proteste der ersten Oppositionsrednerin Laura das Wort.

Benehmen, insbesondere in Bezug auf expliziten Benimm-Unterricht, sei ein umstrittenes Thema. Es ginge dabei nicht nur um ein einfaches „bitte“, „danke“ oder „entschuldigung“, sondern auch um weitaus komplexere Umgangsformen. Diese in einem gesonderten Unterrichtsfach vermitteln zu wollen, sei zwar ein gut gemeinter Versuch, aber auch nicht mehr. „Wer soll die richtigen Werte vermitteln?“, fragt die Rednerin. Es müsse speziell qualifiziertes Personal ausgebildet werden und finanziert werden. Desweiteren habe es in Bremen bereits den Versuch gegeben, ein solches Schulfach einzuführen. „Umgang, Benehmen, Verhalten“, kurz UBV, hieß es damals. Der Lerneffekt sollte, so der Direktor der Schule, im Vordergrund stehen und doch lief das Projekt damals auf die Festsetzung sturer Verhaltensregeln raus, die schnell das Gefühl vermittelten, „Disziplin und Ordnung“ sei wieder „an der Reihe“. Die Rednerin erinnerten die Lektionen und Regeln wie „Wir beginnen die Stunde pünktlich!“ und „Wir benutzen keine Schimpfwörter!“ eher an Hundedressur, bei denen nur noch der Befehl „Sitz!“ fehlen würde. Das Fach sei auch, nachdem der Direktor an eine andere Schule gewechselt war, wieder abgeschafft worden, da niemand bereit war, es zu übernehmen. An Privatschulen, so die Rednerin weiter, sei es ja vielleicht noch möglich, das nötige Geld für Investitionen in das „Schulfach Benehmen“ aufzubringen, doch wo bliebe der „Ottonormalverbraucher“, der es sich nicht einfach leisten kann, sein Kind auf eine Privatschule zu schicken?

Nachdem auch Laura die Redezeit ein wenig überschritten hat, steht das erste „Crossfire“ an.

Roman und Laura werden von Präsidentin Anna auch sogleich gebeten, nach vorne zu treten und gegenseitig ihre Meinungen auszutauschen.

Der Regierungsredner Roman geht auch sogleich auf Lauras Äußerung ein, es müsse qualifiziertes Personal vorhanden sein. „Wie definiert sich ‚qualifiziert’“? Jeder Lehrer besäße bereits Qualifikationen, die es ihm ermöglichten, Schülern Verhaltensregeln beizubringen. „Wer aber gibt Formen vor, wie der Unterricht in dem Fach abzulaufen hätte? Sollen etwa Rollenspiele gespielt werden?“, fragt Laura anschließend. Das sei durchaus angebracht, so Roman, und doch gebe es noch andere, verschiedene Formen, um zu einem Erfolg zu gelangen. Es solle aber nicht nur strikte Autorität durch die Lehrer vermittelt werden, erinnert Laura. Jeder Lehrer führe bereits selbst in seinem Unterricht Verhaltensregeln ein, die ausreichten. Daraufhin erwidert Roman, dass unbedingt ein wenig Autorität vermittelt werden müsse, da es nicht angehen könne, dass zu Lehrern heutzutage „Halt die Fresse“ gesagt wird. „Was aber machen Kinder, die sich derartig äußern zu Hause? Genießen sie dort keine Erziehung mehr?“, fragt Laura. Genau für den Fall gebe es ja das Schulfach, in dem gezielt beigebracht werden solle, was zu Hause fehlt, heißt es als Antwort.

Nachdem der offene Meinungsaustausch durch das Zeitsignal beendet worden ist, ist nun der Regierungsredner Simon an der Reihe und wird auch sogleich um Stellungnahme zum „Schulfach Benehmen“ gebeten.

Er stellt die positiven Aspekte des Faches heraus, indem er betont, dass die Grundlage, gewisse Umgangsformen zu beherrschen, ebenso wie das Wissen, welches in der Scule vermittelt werden soll, wichtig sei für den späteren Lebensweg, vor allem im Beruf. In der heutigen Gesellschaft verschlechtere sich das allgemeine Benehmen jedoch merklich, weshalb die Einführung eines entsprechenden Schulfaches als Unterstützung durchaus von Nöten sei, auch um ein effektiveres Unterrichten in anderen Fächern zu gewährleisten. Gerade in „sozialschwächeren Schichten“, so heißt es, ergänze es die Erziehung, um Kindern möglichst gute Perspektiven für ihr späteres Leben zu verschaffen.

Anschließend erhält die zweite Rednerin der Opposition, Sandra, das Wort.

Sie kritisiert die Einstellung der befürwortenden Partei, das Schulfach sei eine Ergänzung zur Erziehung durch die Eltern. Erziehung sei ganz klar und einzig Sache letzterer, in welche nicht eingegriffen werden sollte. Desweiteren verwirre es Kinder, wenn sie beispielsweise in der Schule lernten „Seid freundlich zu allen Erwachsenen“ und dann auf der Straße einem „Onkel, der mit Kaninchen lockt“ folgen würden, obwohl ihnen dies vom Elternhaus aus vermutlich verboten wurde. Anschließend führt die Rednerin einige Paragrafen aus dem Grundgesetz an, so den Artikel 6, Absatz. 2, in welchem es heißt: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“ Damit betont sie, dass es Aufgabe der Eltern sei, ihre Kinder zu erziehen, und nicht die der Schule. Desweiteren hieße es in Artikel 2, Absatz 1: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“ Gerade die Selbstbestimmung eines jeden Einzelnen sei es, die verhindere, dass das Befolgen von Verhaltensregeln in der Schule unter Zwang stattfinden dürfe. Schule habe primär eine Bildungsfunktion und Schüler seien auch ohne ein zusätzliches Schulfach bereits lange genug in der Schule. Die Einführung des Faches „Benehmen“ ende in Nazi-Methoden, heißt es abschließend.

Nun steht das zweite Crossfire an, an welchem sich die Redner Simon und Sandra beteiligen dürfen. Simon fragt auch sofort, was mit Kindern sei, welche keine Erziehung zu Hause genössen: „Sollen die einfach verwahrlosen?“ Darauf erwidert Sandra, dass sich in solchen Fällen das Jugendamt früh genug einschalten würde, da der Staat die Erziehung, wie in Artikel 6 beschrieben, überwache. Es gebe aber immer Ausnahmen, so Simon. „… welche aber nicht über die Schule behandelt werden sollen“, ergänzt die Oppositionsrednerin sofort und fragt, ob man den Schülern etwa auch eine Note geben solle wie in den normalen Unterrichtsfächern auch. Dafür gäbe es ja bereits den Punkt „Sozialverhalten“ auf dem Zeugnis, erklärt Simon, und plädiert gleichzeitig dafür, das Fach „Benehmen“ als Pflicht-AG ohne Benotung einzuführen, in welchem unter anderem „Tischmanieren und Verhalten“ vermittelt werden sollen. Der vermittelte Unterrichtsinhalt müsse dabei nicht zwangsläufig etwas mit den anderen Fächern zu tun haben. Es ginge lediglich darum, sie effektiver unterrichten zu können, wenn die Schüler bestimmte Verhaltensregeln annehmen und umsetzen könnten, sodass ihre Klasse zum „Traum eines jeden Lehrers“ wird.

Nachdem auch hier die Zeit um ist, wird Regierungsredner Roman um eine weitere Stellungnahme gebeten.

Letzterer betont noch einmal, dass die die AG als Eingliederung in die Gesellschaft unbedingt von Nöten sei, um Schülern den Umgang mit Autoritäten und Grundwerte, „die wie auch immer verloren gegangen sind“, wieder zu vermitteln. Abschließend spricht er noch einmal den von Sandra erwähnten Artikel 6 an und stellt heraus, dass durchaus die Schule teil an der Erziehung haben sollte, da sie als staatliche Einrichtung ebenfalls zur Überprüfung letzterer angehalten sei.

Anschließend erhält die Oppositionsrednerin Laura noch einmal das Wort.

Sie stellt fest, dass trotz der Worte der Regierung in ihren Augen immer noch die Nachteile überwiegen. Schule könne in ihrer Bildungsfunktion die Erziehung nicht ersetzen, des Weiteren fehle es an Geld und ausgebildeten Lehrkräften. Außerdem fragt sie, ob die Schüler durch das Erlernen standatisierter Verhaltensnormen zu „Robotern“ verkommen sollen, die automatisch auf ebenfalls genormte Situationen reagieren können. Zudem greift sie bereits Gesagtes auf und wiederholt, dass Grundformen im Umgang miteinander bereits in normalen Fächern vermittelt würden. Und was sei eigentlich mit der Zeit vor der Schule? Sei es im Kindergarten etwa egal, ob sich dort benommen wird? Die Rednerin schließt mit der Zusammenfassung, die Einführung eines Schulfaches „Benehmen“ sei absolut unsinnig.

Es folgt das dritte und letzte Crossfire, das „Grand Crossfire“, an welchem alle an der Debatte beteiligten Redner teilnehmen.

Roman greift die letzte Äußerung Lauras auf und fragt, was überhaupt einen Sinn hätte, wenn nicht solch ein Fach. Der Versuch, es einzuführen, sowie der Zweck, der verfolgt würde, sei alles andere als unsinnig. Ebenso würden die Kinder nicht zu Robotern erzogen oder getrimmt werden, sondern lernten simple und doch teilweise in Vergessenheit geratene Umgangsformen. Daraufhin fragt Laura, ob etwa die Schüler der 3.-7. Klasse nichts von „bitte“ und „danke“ gehört hätten und ob sich ihre Persönlichkeit erst ab der dritten Klasse, ab der das Schulfach eingeführt werden soll, entwickele. „Geh doch mal raus“, erwidert Roman und bezieht sich erneut auf die zum großen Teil respektlosen Unterstufenschüler. Daraufhin fragt Sandra, ob er ernsthaft glaube, dass die Schüler eine AG ernst nähmen, die nicht einmal bewertet würde, doch bevor darauf seitens der Regierung geantwortet werden kann, wird das Crossfire mit einem Hammerschlag beendet.

Nun folgt eine einminütige Schlussrede des Regierungsredners Simon, der zusammenfasst, dass es in vielen sozialen Schichten an Benehmen mangele, weshalb die Einführung eines Schulfaches für jeden sinnvoll wäre und widerspricht noch einmal deutlich der Aussage, die Schüler würden zu Robotern erzogen, da es vorwiegend um die Vermittlung allgemeinen Benehmens ginge.

Die Oppositionsschlussrede von Sandra beginnt mit der erneuten Aussage, dass Erziehung immer noch in erster Linie Aufgabe der Eltern sei und betont noch einmal die negativen Aspekte „Zeitaufwand“, „Finanzaufwand“ und „benötigte Lehrerqualifikation“. Des Weiteren habe die Regierung zu keinem Zeitpunkt greifbare Vorschläge zum Ablauf des Faches gemacht. Abschließend erwähnt die Rednerin noch einmal das von Laura angeführte Besipiel, in welchem die Einführung des Faches „UBV“ zum Scheitern verurteilt war.

 

Nach einer kurzen Pause und Beratung der Jury steht der Sieger der Debatte fest und wird von Präsindentin Anna verkündet: Mit 104 zu 86 Punkten habe die Opposition sich „besser verkauft“ und damit gewonnen. Insbesondere die Zeitunterschreitungen hätten die Regierung, welche während der einzelnen „Crossfire“ die Oberhand hatte, wichtige Punkte und damit letztendlich den Sieg gekostet.

 

 

 

 

*** Anmerkung

 

Unsere letzte Debatte und naja, sie war zwar ganz ordentlich, aber irgendwie auch nicht besser als die Debatten zuvor, was vermutlich wieder einmal daran lag, dass gewisse Redner nicht wirklich vorbereitet waren. Was ich gut fand, war auf jeden Fall die Möglichkeit eines offenen Schlagabtauschs – den gab es bei den Formen zuvor ja nie, obwohl ich immer dachte, dass gerade das wichtig für eine ordentliche Debatte sei. Ich finde auf jeden Fall, dass die „Public Forum Debate“ die beste der erprobten Debatierformen ist, auch wenn jetzt die ausgetragene Debatte an manchen Punkten nicht so ganz der Bringer war. Wir sind ja schließlich auch Anfänger. (:

Nun denn, da dies mein achtes Seminarprotokoll war und ich damit, auch wenn die Anzahl der abzugebenden Protokolle mittlerweile auf 5 heruntergesetzt worden ist, mein Soll erfüllt habe, schließe ich die Kategorie hiermit ab. Dankeschön für’s Lesen & so. (:

 

Janina.

8.12.09 20:33
 


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